Gülcicek – eine Liebesgeschichte

Ich liebte einst ein Mädchen. Ich liebe sie immer noch. Sie heißt Gülcicek Solunum. Sie war sehr hübsch. Sie war ihrer Religion gegenüber ergeben. Sie trug Kopftuch. Sie wohnte im Block gegenüber und deren Balkon konnte man, wenn auch nur ganz wenig, vom Rande unseres Fensters sehen. Jeden Abend sobald die Schatten anfingen sich auf die Wege zu werfen, setzte sie sich mit einem Buch auf den Balkon und lies Stundenlang darin. Manchmal wurde ich Zeuge darin, als sie den Qur’an las. Die Bücher in ihrer Hand wechselten sich immer wieder aus. Sie hatte eine sehr schöne Stimme. Die Wörter „sehr“ und „schön“ konnte ich nur im Bezug auf Gülcicik benutzen.

Eines Tages fasste ich all meine Mut zusammen und bin ihr entgegengetreten. In ihrer Hand ihre Einkaufstüten. Ich versuchte den Gentelman zu spielen und wollte ihr beim Tragen der Tüten helfen, doch sie erlaubte es mir nicht.

– Ich sagte: „Ich möchte mit Ihnen reden, nur 10 Minuten, bitte…“

Sie hatte ihren Blick gesenkt. Sie guckte mir nicht ins Gesicht. Ich sah nicht einmal, dass ihre Augen meine trafen. Ich konnte nicht fühlen, was für eine Schauder Situation es war.

– „Was bezwecken sie?“ erwiderte sie.

– „Ich habe mich in Sie verliebt“ rutsche aus meinem Mund. Vielleicht hätte ich etwas bedächtiger sein sollen. Hätte ich ‚Sie gefallen mir‘ gesagt, wer weiß, vielleicht hätte es dann geklappt. Dass ich ihr gesagt habe, dass ich mich in sie verliebt habe, hat sie glaube ich abgeschreckt.

– „Mir ist das Reden mit Ihnen nicht ‚caiz‘ (erlaubt) . Bitte lassen Sie mich nun vorbei…“

– „Caiz? Was bedeutet das?“

– Und erst Recht nach dieser Frage werde ich Ihre Liebe nicht erwidern können…“ – „?“

Sie war fort… Trotzdem hielt ich es aus, ihr hinterherzugucken. Sie war fort. Ich werde ihre Stimme vermissen… Sie war fort. Sogar ihr Fortgehen war schön…

Was meinte sie nur damit? Was bedeutet denn nun ‚caiz‘? Wenn du dich in Mädchen mit Kopftuch verguckt hast, dann musst du den Qur’an lesen Junge! Wir sprechen von einer anderen Sprache…

Am nächsten Tag erfuhr ich, dass sie umziehen würde. Zusammen mit ihrer Familie zogen sie nach Yalova. Ihr Vater war nun in Rente. Er stellte sich vor in einer ruhigeren Stadt ein ruhigeres Leben zu führen. Ich dachte ich würde vor Trauer sterben. Als ich das Messer nahm und an meine Haut hielt, merke ich in kurzester Zeit, dass ich noch am Leben war. Als meine Mutter das sah, dachte sie ich würde Selbstmord begehen und fing an zu weinen. Ich umarmte sie sofort und fing an sie zu trösten. Für Missverständnisse gibt es keinen Ort.

Sie war fort. Ich werde sie nie wieder sehen… Sie war fort. Ich werde sie nicht Heiraten können… Sie war fort. Und was, wenn ich sie vergesse?

Meine Neugier brachte mich um. Ich fing an im Internet darüber zu Recherchieren, was ‚caiz‘ bedeutete. „Caiz bedeutet im Allgemeinen –Genehmigung gegeben, nicht haram. Jedoch ist es besser, die Sachen die ‚caiz‘ sind, nicht zu machen.“ War es also eine Sünde, wenn wir miteinander redeten?

Die Tage vergingen und am Ende meiner Recherchen umhüllte mein Herz die Liebe zu Allah. Ich fiel auf eine Ayah im Qur’an und wollte mir nicht weiterhelfen lassen.

„(Es sind) diejenigen, die glauben und deren Herzen im Gedenken Allahs Ruhe finden. Sicherlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe!“ [13:28]

Ich fing an Surah auswendig zu lernen. Ich lernte wie man sich wäscht. Ich betete. Ich las im Qur’an. Ich lächelte. Ich verteilte Almosen. Alles verlief sehr schnell. Ich hatte nämlich verstanden, dass es auf dem Wege zu Allah kein warten gibt… Es vergingen Monate, als ich aus der Moschee kam und Gülcicek sah. Meine Beine haben angefangen zu zittern. Ich stoppte. Ich sagte „Allah“

Ich habe sehr oft „Allah“ gesagt…Wie oft kann man pro Sekunde denn Allah sagen? Ich durfte sie nicht angucken. Es war fremdgehen fürs Auge und das war im Islam verboten. Ich senkte meinen Blick auf meine Füße und machte mich auf den Weg nach Hause…

Am Abend kam meine Mutter nach Hause und meinte, dass sie mich nach der islamischen Art einem Mädchen vorstellen möchte. Wenn ich mit ihr Heiraten sollte, hätte ich wohl ein sehr gutes Obdach. Eine Ehrenvolle, schöne und barmherzige Ehegattin… Vielleicht war das die Beste Methode, um Gülcicek zu vergessen, deswegen willigte ich ein…

Ich ging in den Raum. Ein Mädchen im Blauen Kleid und einem Kopftuch saß mit ihrem Rücken zu mir in dem Raum. – Ich sagte: „Selamun Aleykum…“

– Sie sagte „Aleykum Selam“ und drehte ihr Gesicht zu mir…und fügte hinzu „Nun ist es caiz, wir können reden“

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