Der Islam und die Gleichberechtigung

Der Islam und die Gleichberechtigung

Die Angriffsfläche des Islam ist die muslimische Frau. Jede Diskussion über den Islam wird im Westen von dem Thema „Frau im Islam“ angeführt – meist in Form der Kopftuchdebatte.

Als ebenbürtiges Thema ist allenfalls der Terrorismus hinzugetreten. Die Frau als Streitpunkt wurde dadurch jedoch keineswegs verdrängt. Weil diese beiden Themen die Islamdebatte dominieren, wird der Islam stets mit Unterdrückung und Gewalt assoziiert.

Das eine ist, Gleichberechtigung zu fordern und diese theoretisch, d. h. gesetzlich, zu verankern, das andere ist, sie in der gesellschaftlichen Praxis tatsächlich zu gewährleisten. Auch wenn der Westen sich mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau als Errungenschaft rühmt, scheitert er zum einen an der Realität, in der sich die dennoch vorhandenen Unterschiede zwischen Mann und Frau gesetzlich nicht unterbinden lassen, zum anderen am Kapitalismus, der durch sein Frauenbild die Gleichberechtigung immer unterwandern wird. Denn der Kapitalismus kann in der Frau immer nur ein Objekt sehen, das wirtschaftlich optimal ausgeschlachtet werden kann. Überhaupt verhindert die vom Kapitalismus vorgegebene Lebenseinstellung der Menschen jede Form der Gleichberechtigung. Nur will sich der Westen dies nicht eingestehen. Zudem liegt es auch im Sinne der Wirtschaft, die Frau im Glauben einer existierenden Gleichberechtigung zu belassen, damit sie ihre Ausbeutung nicht registriert.

Ausgangspunkt der Betrachtung ist nicht, ob Mann und Frau gleichberechtigt sind, sondern ob ihre Probleme in angemessener Weise gelöst werden, und zwar nicht unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten, sondern unter dem Aspekt menschlicher Probleme. Der Islam trägt nur dem Problem Rechnung, das zu behandeln gilt. Das heißt, es geht nicht darum, ein Problem des Mannes oder ein Problem der Frau zu lösen, sondern ein bestimmtes Problem des Menschen. Daher ist die Gleichberechtigung kein Untersuchungsgegenstand im Islam, weil er nicht das jeweilige Geschlecht, sondern das jeweilige Problem ins Auge fasst und behandelt. Der Begriff „Gleichberechtigung“ liegt ohnehin in der europäischen Geschichte begründet und hat sich aus der jahrhundertelangen Unterdrückung der Frau in Europa ergeben.

Als der Islam mit der islamischen Verpflichtung von Mann und Frau kam und die islamischen Gesetze, die die Handlungen beider regeln, offen gelegt hat, ging es weder um die Unterscheidung der Geschlechter noch um deren Gleichberechtigung. Ein Verpflichteter bzw. Verantwortlicher (mukallaf) ist jemand, der für seine Handlungen zur Rechenschaft gezogen werden kann. Hierunter fallen alle im islamischen Sinne erwachsenen Menschen, die zudem geistig zurechnungsfähig sind. Das heißt, verpflichtet sind nicht nur Männer oder nur Frauen oder aber nur die Muslime, sondern alle Menschen, die die bereits genannten Kriterien erfüllen.

Der Islam hat der Frau Rechte gegeben, und er hat ihr Pflichten auferlegt, wie auch der Mann Rechte und Pflichten hat. In einigen Gesetzen unterscheiden sich Rechte und Pflichten von Mann und Frau nicht, in anderen existieren wiederum Unterschiede. Unterschiede bedeuten aber nicht zwangsläufig Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern. Vergleicht man alle für den Mann spezifischen Rechte und Pflichten mit denen der Frau, so lässt sich gar nicht sagen, wen der Islam „bevorzugt“ behandelt und wer einen Vorteil davonträgt. Ist es beispielsweise die berufstätige Frau, die ihrem Mann und ihrer Familie gegenüber keinerlei finanzielle Verpflichtungen hat, während der Mann für den Lebensunterhalt der Familie sorgen muss? Oder ist es der Mann, der im Gegensatz zur Frau nicht zum Tragen des Kopftuchs verpflichtet wurde? Es wird immer die subjektive Meinung des Menschen bleiben, was er als Nachteil empfindet: etwa die finanzielle Verantwortung für sich und andere oder eine bestimmte Kleidervorschrift. Man erkennt bereits anhand dieses simplen Beispiels, dass sich jener Teil der Gesetze, die sich für Mann und Frau unterscheiden, nicht in Beziehung setzen lässt, um sich ein Urteil von gerecht oder ungerecht bilden zu können.

In vielem sind Mann und Frau in derselben Weise vom Islam verpflichtet worden, etwa im Bereich des Gottesdiensts oder der vertraglichen Beziehungen, wie z. B. im Handel. Mann und Frau müssen sich gleichermaßen an die diesbezüglichen Gesetze halten. Auch was das Strafsystem angeht, macht der Islam keine Unterschiede. Ein Ehebrecher wird ebenso bestraft wie eine Ehebrecherin. Für einen Dieb gilt dieselbe Strafe wie für eine Diebin usw. Es handelt sich hierbei um Handlungen, die nicht an das Geschlecht gebunden sind, denn es sind menschliche und keine spezifisch männliche oder weibliche Bedürfnisse, die diese Handlungen hervorrufen. So können dem Ehebruch Mann und Frau in gleicher Weise erliegen wie dem Diebstahl usw.

Folglich löst der Islam sämtliche Probleme, die den Menschen in seiner Eigenschaft als Mensch betreffen, für Mann und Frau in gleicher Weise und ohne Unterschied. Die Koranverse und Hadithe, die sich auf diese geschlechtsunspezifischen Probleme beziehen, richten sich allgemein an den Menschen und allgemein an den Gläubigen. Im Koran heißt es z. B.:
„Wahrlich, die muslimischen Männer und die muslimischen Frauen, die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen, die gehorsamen Männer und die gehorsamen Frauen, die wahrhaftigen Männer und die wahrhaftigen Frauen, die standhaften Männer und die standhaften Frauen, die demütigen Männer und die demütigen Frauen, die Männer, die Almosen geben, und die Frauen, die Almosen geben, die Männer, die fasten, und die Frauen, die fasten, die Männer, die ihre Keuschheit wahren, und die Frauen, die ihre Keuschheit wahren, die Männer, die Allahs häufig gedenken, und die Frauen, die (Allahs häufig) gedenken – Allah hat ihnen Vergebung und großen Lohn bereitet.“ (33:35)

Andererseits gibt es Gesetze, die an das jeweilige Geschlecht gebunden sind und beispielsweise der Frau in ihrer Eigenschaft als Frau Rechnung tragen sowie dem Mann in seiner Eigenschaft als Mann. Die Gesetze, die sich ausschließlich auf die Frau beziehen, sind Lösungen, die speziell auf die Probleme der Frau Bezug nehmen. Sie lösen kein menschliches, sondern ein weibliches Problem. So ist es die Frau, die ihre Menstruation bekommt, so dass man nicht vor dem Hintergrund einer Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau erwarten kann, dass die islamischen Gesetze, die diesbezüglich für die Frau gelten, auf den Mann übertragen werden können oder müssen. Die Frau ist dazu aufgefordert, in dieser Zeit das Gebet, das Fasten oder aber das Rezitieren des Koran zu unterlassen. Da der Mann dieses Problem nicht hat, können diese Gesetze auch nicht auf ihn angewendet werden.
Unterschiede in einzelnen Gesetzen sagen nichts über den Wert des Menschen aus. Der Islam macht keinerlei Unterschiede zwischen Mann und Frau, was ihren Intellekt angeht, und zieht sie in gleicher Weise zur Verantwortung. Der Gehorsam gegenüber Allah gilt für Mann und Frau, ohne das Geschlecht zu berücksichtigen, denn Allah (t) sagt im Koran:

„Kein gläubiger Mann und keine gläubige Frau haben – wenn Allah und Sein Gesandter eine Sache beschlossen haben – in ihrer Angelegenheit noch eine Wahl. Und der, der Allah und Seinem Gesandten nicht gehorcht, geht wahrlich in offenkundige Irre.“ (33:36) Daher ist die Frage überflüssig, weshalb der Mann bzw. die Frau dieses oder jenes Recht hat oder jene Pflicht. Ob man sich diese Frage nun stellt oder nicht, entbindet den Einzelnen nicht von dem Gehorsam gegenüber Allah (t).

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Kategorien: Für die Muslima, Für Muslime, Für Nichtmuslime, Was ist Islam? | Schlagwörter: , | Hinterlasse einen Kommentar

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